Lernmethoden

Wie Lernen gelingt

Wie Menschen lernen, beschäftigt sowohl die Bildungsforschung als auch die islamische Pädagogik. Studien zeigen, dass beispielsweise regelmäßiges Üben, aktives Erinnern und das Reflektieren des eigenen Lernprozesses dabei helfen können, Wissen nachhaltig zu festigen. Auch im Quran und in der Sunnah finden sich wichtige Grundlagen für den Umgang mit Wissen und für die Vermittlung von Inhalten: Schritt für Schritt lernen, nachdenken, sich an Vorbildern orientieren und Menschen mit Weisheit und Barmherzigkeit begleiten.

Bei Mango for Change verbinden wir diese Perspektiven. Die prophetische Lehr- und Erziehungsmethode gibt uns Orientierung für unsere pädagogische Haltung. Erkenntnisse aus der modernen Bildungsforschung helfen uns, Lernmethoden besser zu verstehen und unsere Bildungsangebote weiterzuentwickeln.

Unser Ziel ist, dass Kinder Wissen nicht nur aufnehmen, sondern es verstehen, reflektieren und verantwortungsvoll im Alltag anwenden können.

Schritt für Schritt lernen

Lernen braucht Zeit. Neue Inhalte müssen verstanden und eingeordnet werden, bevor darauf aufgebaut werden kann. Auch der Quran wurde über einen längeren Zeitraum in Abschnitten offenbart (Quran 17:106; 25:32).

Für unsere Bildungsarbeit bedeutet das, Lerninhalte sinnvoll aufeinander aufzubauen und die Voraussetzungen der Kinder zu berücksichtigen. Sie sollen eine Grundlage nach der anderen entwickeln können, statt mit zu vielen neuen Informationen auf einmal überfordert zu werden.

Wiederholen, bis Wissen gefestigt ist

Der Prophet Muhammad ﷺ wiederholte Aussagen, damit seine Zuhörer sie verstehen konnten. Anas ibn Malik berichtete, dass der Prophet ﷺ eine Aussage dreimal wiederholte, damit sie richtig verstanden wurde (Sahih al-Bukhari, Hadith 95).

Wiederholung gehört deshalb zu einem sinnvollen Lernprozess. Kinder brauchen Gelegenheiten, Gelerntes erneut abzurufen, zu erklären und anzuwenden. Auch die moderne Lernforschung bestätigt, dass aktives Erinnern und zeitlich verteiltes Üben das Behalten von Wissen unterstützen (Dunlosky et al., 2013; Carpenter et al., 2022).

Verstehen und reflektieren

Der Quran fordert Menschen wiederholt dazu auf, nachzudenken, zu verstehen und sich mit dem auseinanderzusetzen, was ihnen begegnet. In Quran 38:29 wird das Buch als Anlass zum Nachdenken über seine Zeichen beschrieben; Quran 47:24 fragt, ob Menschen über den Quran nachdenken.

Wir möchten Kinder deshalb nicht auf das Wiedergeben von Antworten beschränken. Sie sollen Fragen stellen, Zusammenhänge erkennen, eigene Überlegungen entwickeln und erklären können, wie sie zu einer Antwort gekommen sind.

Durch Vorbilder lernen

Menschen lernen auch, indem sie beobachten, wie andere handeln. Der Prophet Muhammad ﷺ wird im Quran als vorzügliches Vorbild beschrieben (Quran 33:21).

Für die Bildungsarbeit bedeutet das, dass die Haltung der Lehrkräfte eine wichtige Rolle spielt. Geduld, Aufrichtigkeit, Verlässlichkeit und ein respektvoller Umgang vermitteln Werte nicht nur durch Worte, sondern auch durch das eigene Verhalten.

Adab ist deshalb ein fester Bestandteil unseres Bildungsverständnisses. Es geht darum, Wissen mit einem verantwortungsvollen Umgang mit sich selbst und anderen zu verbinden. Auch die Zusammenarbeit und Einbindung der Eltern spielt eine große Rolle, um das Lernen mit dem tatsächlichen Alltag zu Hause zu verflechten.

Mit Weisheit und Barmherzigkeit lehren

Der Quran fordert dazu auf, mit Weisheit und guter Ermahnung zum Weg Allahs einzuladen (Quran 16:125). Der Prophet ﷺ sagte außerdem: „Erleichtert es den Menschen und erschwert es ihnen nicht. Verkündet frohe Botschaft und schreckt sie nicht ab.“ (Sahih al-Bukhari, Hadith 69).

Diese Haltung ist auch für das Lernen wichtig. Kinder brauchen Orientierung und Rückmeldung, aber ebenso Ermutigung und Geduld. Fehler gehören zum menschlichen Lernen. Sie bieten die Möglichkeit, etwas zu erkennen, zu korrigieren und es erneut zu versuchen. Korrektur sollte deshalb dabei helfen, sich zu verbessern, und nicht dazu führen, dass ein Kind beschämt wird oder Angst vor dem Lernen entwickelt.

Wissen in Handeln umsetzen

Wissen soll nicht beim Auswendiglernen stehen bleiben. Es soll Menschen dabei helfen, Zusammenhänge zu verstehen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.

Wir möchten Kinder dazu befähigen, Probleme zu untersuchen, unterschiedliche Lösungswege zu erwägen und das Gelernte im Alltag anzuwenden. Dazu gehört auch, das eigene Lernen zu planen, sich Ziele zu setzen und zu erkennen, wann man weitere Unterstützung braucht.

So verbinden wir Wissen, Adab, Persönlichkeitsentwicklung und praktische Fähigkeiten. Unser Ziel ist, dass Kinder mit der Zeit selbstständiger lernen und ihr Wissen in ihrer Umgebung bewusst einsetzen können.

Wie wir diesen Ansatz weiterentwickeln

Wir möchten Bildungsangebote schaffen, die zu den Lebensbedingungen und Lernvoraussetzungen der Kinder in Süd-Punjab passen. Die prophetische Pädagogik gibt uns dafür eine wichtige Orientierung. Erkenntnisse aus der Bildungsforschung helfen uns zusätzlich, Lernmethoden zu prüfen und unsere Angebote weiterzuentwickeln.

→ Unser Projekt: Teacher Circle

→ Unser Projekt: My Path Workbook

Quellen